Tag in der Karibik – Teil 2

Das bescheidene Pärchen mittleren Alters bekam mit, wie der dicke Mann sich lautstark bei seiner Frau beschwerte: Wie unverschämt es sei, dass schon am frühen Morgen der größte Teil der Liegen mit Handtüchern und billigen Zeitschriften besetzt werde. Obwohl er ja eigentlich selbst früh an den Strand gekommen war, um rechtzeitig für sich und seinen Anhang einen günstigen Platz am Meer zu reservieren.

 Das Geplärre verstummte für eine gewisse Zeit.

Der dicke Mann hatte beim Strandboy eine Flasche Bier geordert. Das Kind, das genauso dick war wie der Vater – natürlich im Verhältnis gesehen – bekam ein dickes Eis. Die Frau, die ihrem Mann an Körperfülle in nichts nach stand, hatte einen Cocktail mit Früchten bestellt.

Die Früchte hatten dabei mehr eine Alibifunktion.

Der dicke Mann nahm schwitzend auf der Liege Platz und stellte die Flasche Bier auf seinen Bauch. Sie ragte wie ein Leuchtturm in den Himmel.

Eine Weile war die Idylle perfekt. 

Eine reife Mango überlegte den Standort zu wechseln und fiel vom Baum. Direkt auf die Bierflasche des dicken Mannes.

Erschrocken sprang der Mann auf. Besser gesagt, er versuchte aufzuspringen. Dies gelang ihm wegen seiner Leibesfülle nicht direkt. Er musste sich auf die Seite drehen, um seine baumstammartigen Beine von der Liege zu wuchten.

Das bescheidene Pärchen mittleren Alters stellte zu seiner Überraschung fest, dass die Bierflasche sich in die dicke Fettschicht des Mannes gebohrt  hatte.

Er selbst hatte es noch nicht bemerkt.

Schließlich gelang es dem dicken Mann aufrecht vor seiner Liege zu treten. Erst jetzt sah er, dass der Flaschenhals waagerecht aus seinem Bauch herausragte. Er trat einen Schritt vor und versank plötzlich mit beiden Beinen ganz langsam im Sand. Bis eine Handbreit über seinen Knien – oder was immer sie darstellen sollten – war von seinen massigen Gehwerkzeugen nichts mehr zu sehen.

Mit rudernden Armbewegungen versuchte er das Gleichgewicht zu halten. Was ihm nicht gelang. Man konnte noch das leise klack-klack hören, mit dem sich die Kniescheiben des dicken Mannes verabschiedeten, gefolgt vom Geräusch brechender Knochen, als der wuchtige Körper des Mannes vorne über fiel.

Das Letzte was das kleine dicke Kind in seinem Leben, was nur noch einige Sekunden währte, sah, war ein riesiger Schatten und den Flaschenhals der Biermarke „Alcofix“.

Als man den dicken Mann später auf die Seite rollte, klebte das dicke Kind wie eine Pestbeule am Bauch seines Vaters. Beide waren durch die Flasche Bier der Marke „Alcofix“ miteinander verbunden. Der Holzstiel des Eises, was das dicke Mädchen vorher bekommen hatte, ragte ein Stückchen aus dem Hinterkopf heraus.

Man könnte sich jetzt fragen, warum so ein kleines Stück Holz so robust sein kann, die Schädelknochen zu durchbohren.

Manchmal werden eben physikalische Gesetze außer Kraft gesetzt. Alles auf der Welt muss man nicht verstehen.

Wird fortgesetzt…..