Tag in der Karibik – Teil 3

Das dicke Mädchen konnte das Eis nicht einmal ganz aufessen. Der verbleibende Rest tropfte in einem kleinen Rinnsal über den Bauch des Mannes auf den sandigen Boden und fand dankbare Abnehmer in Form von quirligen, süßen, bunten Vögelchen. Und emsigen Krabben.

Die dicke Frau, nun Witwe und ehemalige Mutter, kreischte verzweifelt durch die Gegend. Entgegen aller Erwartungen beendete eine Kokosnuss, die an diesem Tag unplanmäßig fiel, den unnötigen Lärm und spaltete den Schädel der dicken Frau sauber in vier Teile. So wie bei einer Grapefruit. Oder einer Apfelsine, wo die Schale sauber mit einem spitzen Messer überkreuz eingeritzt und die Viertel sauber vom Fruchtfleisch getrennt wird. Nur in diesem Fall wurde der Blick auf das Gehirn der dicken Frau sichtbar.

Am nächsten Tag konnte man in der Zeitung lesen, dass die Krabben einen Teil des Areals, wo der dicke Mann mit der dicken Frau und dem dicken Kind lag, unterhöhlt hatten. Ob Zufall oder geplante Aktion der Krabben; darüber stand nichts in dem Artikel.

Der dicke Mann trat unglücklicher Weise genau in dieses Loch und löste diese tragische Kettenreaktion aus.

Von dem Zeitungsartikel bekam das bescheidene Pärchen mittleren Alters nichts mit. Auch nicht von dem komischen Zwischenfall, als eine rothaarige Frau, etwa Mitte Fünfzig, mit ihrem jugendlichen Liebhaber beim Betreten des Strandes von einer umstürzenden Palmen in den Sand gerammt wurden.

Die Frau und der junge Mann hatten schon einige Tage in dem Ressort verbracht. Beide hatte man nie lachen sehen, selten miteinander reden. Da die Frau stets mit heruntergezogenen Mundwinkeln herumlief, hatte sie von den Angestellten schnell den Spitznamen „Die Kröte“ bekommen. Ihr jugendlicher Begleiter war circa 15 Jahre jünger, hatte einen Pagenschnitt Marke „Prinz Eisenherz“, sehr kleine Füße, und im Gegensatz zu seinem Körper fette Eiterpickel auf der Stirn. Er wurde von den Wetteifrigen unter dem Namen „Pimmelmännchen“ gehandelt.

Kröte und Pimmelmännchen war an diesem Tage die Favoriten unter den Wetteifrigen, obwohl sie nicht im typischen Sinne zu den „Liegenbesetzern“ zählten. Sie waren einfach der Natur zuwider.

Soll in dieser Region schon mal vorkommen.

Wie gesagt: Von alledem bekam das bescheidene Pärchen mittleren Alters nicht mit. Es verbrachte die verbleibende Zeit Händchen haltend glücklich und zufrieden bis zum Sonnenuntergang.

Ein herrlicher Karibiktag neigte sich dem Ende entgegen.

Und wenn man ganz, ganz aufmerksam war konnte man hören, wie die Kokospalmen sich zuriefen:“Okkupanten. Okkupanten. Achtet auf die Okkupanten.“

 

ENDE

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